02.2024
Autor Professor J. Spranger, Universitäts-Kinderklinik Mainz
Aus Frankreich kommt eine umfangreiche Pharmakovigilanz-Studie über einen Zusammenhang des Gebrauchs von Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI), Histamin-2-Rezeptor-Antagonisten (H2RA) und Antazida mit dem späteren Auftreten von ernsthaften Infektionen [1]. Die über 10 Jahre angelegte Studie erfasste 6.349.003 Kinder, von denen im Studienzeitraum 1.497.773 meistens wegen eines gastroösophagealen Reflux (GER) medikamentös behandelt wurden, ganz überwiegend mit PPI. Die erste Behandlung begann im Mittel mit ca. 3 Monaten. Etwa die Hälfte der Kinder wurde auch während der Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 3,8 Jahren erneut mit PPI behandelt. Die Nachbeobachtungszeit endete für den einzelnen Probanden mit dem Auftreten einer schweren Infektion (Definition im Supplement gegeben), Tod oder Ende der Studie. Nur Infektionen über 30 Tage nach PPI-Beginn wurden ausgewertet (lag-Phase), um einen Bias durch Fehl- bzw. Überinterpretation schon anfangs bestehender Infektionen zu vermeiden. Mit einer Korrektur gegen zahlreiche Confounder wurde das Risiko korrigiert als adjusted hazard ratio (aHR) angegeben, d. h. 1.0 = kein Risiko. Insgesamt war die aHR 1.34, aufgeschlüsselt nach Organsystemen: Gastrointestinaltrakt 1.52, HNO 1.47, untere Atemwege 1.22, Harnwege 1.20, Nervensystem 1.30. Risiko für bakterielle Infektionen 1.56, für virale Infektionen 1.30. Mit Abstand vom Ende der PPI-Behandlung nimmt auch das Risiko ab.